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Historie des Hauses 2017-05-14T16:32:56+00:00

EINE KLEINE EXKURSION

Die Historie des Landhotel Wiesbauer

Die Vergangenheit lässt erahnen, welche Bemühungen im Lauf der Geschichte notwendig sind, um sich jeden Tag die Verbundenheit mit den Gästen auf’s Neue zu verdienen.

Der Wiesbauer um 1979

Postkartenmotiv aus den 1950er Jahren

Schon seit Bestehen begleitet den Wiesbauer eine bewegte und erwähnenswerte Geschichte. Die Tragödie, die sich beim Wiesbauer 2009 abspielte, hatte sich vor geraumer Zeit schon einmal zugetragen. Auch im Jahre 1910 brannte das Gebäude. Damals war der komplette Bauernhof niedergebrannt. Josef Köpf, der Urgroßvater von Hermann Köpf, bekam den verschuldeten Hof vererbt. Nach dem Feuer stand er vor dem Nichts. Der Wiederaufbau des Wiesbauers brachte zudem Kosten mit sich.

1928 eröffnete Josef Köpf im Hauptgebäude eine Sommerwirtschaft. Zudem schaffte Josef Köpf eine Übernachtungsmöglichkeit. Fünf Zimmer vermietete er an Durchreisende und vereinzelt auch an Urlauber. Mit den Einnahmen ließen sich die Schulden allmählich begleichen. Über die Wintermonate musste die Wirtschaft allerdings geschlossen werden, da die Räume nicht beheizt, und kein warmes Essen zubereitet werden konnte. Eine weitere Einnahmequelle versprach die Milchwirtschaft, die neben der Gastwirtschaft betrieben wurde.

Josef Köpf mit seinem Enkel Otto

Otto und Gregor Köpf mit einem Hecht aus dem Hopfensee

Josef Köpf war bis 1946 der Herr des Wiesbauers, bis er den Hof an seinen Sohn Gregor Köpf übergeben hat. Gregor Köpf führte die Gast- und die Milchwirtschaft weiter. Neben diesen Arbeiten ging er auch seiner Tätigkeit als Fischer nach. Es war seine Leidenschaft, im angrenzenden Hopfensee nach Hechten Ausschau zu halten. Sein Sohn Otto durfte ihn oftmals dabei begleiten.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Wiesbauer zum evangelischen Kinderheim umfunktioniert. Zwischen 1948 und 1958 kamen über 60 Kinder bei Gregor Köpf unter. Sie waren allesamt Sprösslinge der „Trümmerfrauen“ und kamen aus dem Raum Augsburg.

18 Jahre später übergibt Gregor Köpf im Jahre 1964 das Anwesen seinem Sohn Otto Köpf. Die Begeisterung für den Beruf des Fischers schwappte auch auf Otto Köpf über. Ebenso wie sein Vater nahm Otto Köpf Sohn Hermann mit auf den Hopfensee. Die Beute aus dem Hopfensee stellte man in einem Aquarium, das im Restaurant stand, aus. Der Gast konnte sich anschließend aussuchen, welchen Fisch er verzehren wollte.

Bis 1964 führten Gregor und Walburga Köpf den Wiesbauer

Für seine gute Küche war der Wiesbauer weit im Umkreis bekannt. Auch mit den ausgezeichneten Fischspezialitäten machte sich die Gaststätte einen guten Namen. Landwirtschaft und Gasthaus – beides zusammen zu führen war ein großer Arbeits- und Zeitaufwand. Demnach entschied sich Otto Köpf 1994, die Landwirtschaft aufzugeben.

Am Gebäude wurden seit Bestehen des Wiesbauers stets Umbauarbeiten durchgeführt. Im Jahre 1990 vergrößerte man die Küche. Aus Scheune und Stall wurden 1995 neue Ferienwohnungen und Zimmer.

Die ersten größeren Baumaßnahmen standen 1998/1999 an. Das Restaurant riss man vollständig ab, und ein neuer großzügiger Anbau, wie man ihn heute noch vorfindet, entstand. Über die Jahre renovierte und erneuerte Familie Köpf immer wieder Zimmer und Ferienwohnungen, um für einen gleichbleibend hohen Standard zu sorgen. 2005 erweiterte man die Terrasse zu einem großen Biergarten mit Blick auf Säuling und Schloss Neuschwanstein. Josef Köpf war es, der die alte Linde vor 100 Jahren pflanzte, die den Besuchern im Biergarten heute noch Schatten spendet. 2004 wurden die Ferienwohnungen der Anlage neu hergerichtet.

alte Gastwirtschaft

Die Senioren Otto und Vicky Köpf (vorne) und die Geschäftsleitung Hermann und Zeljka Köpf mit ihren Töchtern Marija (links) und Ivana (rechts)

Hermann Köpf hat seit 2001 die Zügel des Wiesbauers in der Hand. Otto Köpf, der sein Geschick als Imker für sich entdeckt hat, unterstützt seinen Sohn nach wie vor tatkräftig. Auch Mutter Vicky steht immer noch mit Rat und Tat zur Seite und hilft gelegentlich in der Küche mit.

Dann schlug das Schicksal ein zweites Mal zu.

Es war ein verheerender Brand, der im Mai 2009 sämtliche Zimmer des Hotels verwüstet hatte. Stunden hat es gedauert, bis die 200 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren die Flammen unter Kontrolle hatten. Familie Köpf musste aus nächster Nähe mit ansehen, wie das, was über Jahrzehnte aufgebaut worden war, zerstört wurde.

Das Feuer entstand aus bislang ungeklärter Ursache in einem kleinen Stadel und breitete sich schnell auf die angrenzenden Ferienwohnungen und Gästezimmer aus. Das gesamte Dachgeschoss sowie große Teile des Obergeschosses brannten nieder, darunter auch die Wohnräume der Familie Köpf, die sich unterm Dach befanden. Hermann Köpf, Ehefrau Zeljka und die zwei Töchter fanden in dieser Zeit bei den Eltern im Nachbargebäude Unterschlupf. Hinzu kamen immense Wasserschäden im Erdgeschoss durch das Löschwasser, unter anderem in der Küche. Lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die Wirtschaft konnte verhindert werden. Mehrere Millionen Euro Schaden verursachte der Brand.

Der Wiesbauer ist das Lebenswerk der Familie. Deshalb wurde zeitnah mit dem Wiederaufbau des Landhotels begonnen. Nach elf Monaten Bauphase erstrahlte der Wiesbauer in altem Glanz. Äußerlich hat sich nicht viel geändert. Die bisherigen Dachgauben sind entfallen. Die stark in Mitleidenschaft gezogenen Zwischendecken wurden durch Massivdecken ersetzt. Im Ganzen gesehen, wurde eine Qualitätsverbesserung für den Hotelpensionsbereich erzielt. Neu sind ein Wellnessbereich und Tagungsraum und auch ein Fahrstuhl ist hinzugekommen. Und natürlich ist der Brandschutz auf dem neuesten Stand. Ansonsten sieht der Wiesbauer wieder genauso aus wie vor dem Brand.

Zu Ostern 2010 nahm Familie Köpf sowohl den Restaurant- als auch den Hotelbetrieb wieder auf. Sie haben diese schlimme Tragödie überstanden und der langersehnte Alltag ist in das Leben der Familie zurückgekehrt. Freunde und Verwandte haben die Köpfs während des Wiederaufbaus unterstützt. Nach dieser Erfahrung ist für Hermann Köpf eines klar. Einer für alle und alle für einen. „Ohne Familie geht es nicht. Sie geben Rückendeckung, Halt und machen Mut, stets weiterzumachen. Auch ohne meine Frau Zeljka, die jederzeit hinter mir steht, wäre ich aufgeschmissen“, so Hermann Köpf.

Text: Regina Berkmiller/AZV | Foto: Martin Peter/AZV